M I M E D A N C E
Ich habe dieses Wort kreiert und möchte im Folgenden erklären, was es für mich bedeutet.
Mime steht hier für mime corporel dramatique nach Étienne Decroux, dem Begründer
des modernen Körpertheaters (Definition hier) und ist wie auch der Tanz ein spezieller Bereich
des Bewegungstheaters, bei dem der Körper das Instrument des Ausdrucks ist und dafür
trainiert sein sollte.
Mime transferiert innere Bewegtheit nach außen. Der Immobilität und Isolationsarbeit des
Körpers bzw. einzelner Körperteile kommt dabei eine besondere Priorität zu.
Innere Bewegtheit steht hier nicht nur für psychologische Vorgänge, sondern bezieht die
Darstellung von Abstraktem mit ein.
Der Begriff Mime verführt dazu, zu denken, hier sei Mimik gemeint. Aber gerade in der
mime corporel ist die Mimik ziemlich unwichtig.
Die Reduzierung des Spiels beim (Voll-) Maskentheater auf die Körpersprache zeigt eine sehr
nahe Verwandschaft zur Mime.
Umgangssprachlich werden darstellende KünstlerInnen als Mimen bezeichnet, von Mimesis (Def. hier)
- nachahmen, abbilden.
Der Tanz zeichnet sich vorrangig durch Bewegung für Bewegung aus, jedoch ...
"die Kunst des Mimen ist die Kunst der Haltung" Étienne Decroux
Die Grenze zwischen Mime und Tanz ist fließend, aufgrund der Körperlichkeit des Spiels, die
beiden Genre immanent ist.
Die Ansätze für Tänzerisches bei mimedance rekrutieren sich aus dem Ausdruckstanz, dessen
Bewegungsvokabular individuell ist.
Die Auseinandersetzung mit Butoh(-tanz) bringt weitere Aspekte in das Spiel mit dem Körper ein.
Mimedance bezeichnet eine bewegte, körperbetonte Darstellungsvariante, die sich offen hält
für alle Mittel des Theaters, je nach dem, was und ob überhaupt erzählt werden soll.
Tänzerische Elemente erweitern die Möglichkeiten des Körperausdrucks, geben mehr Freiheit
zwischen beiden Ansätzen zu changieren.
Auch andere Genre wie z.B Artistik können Elemente des Tanzes oder der Mime beinhalten.
Für das Publikum ist es jedoch unerheblich wie die Wissenschaft eine Inszenierung einordnet,
wenn diese den Zuschauer "anspricht", bewegt oder einfach gefällt.
Auch für andere Theatersparten ist die Körpersprache von großer Bedeutung, denn...
"Nur wenn der Schauspieler darauf verzichtet, in Begleitung seines Körpers
auf die Bühne zu kommen, wird er darauf verzichten können, die Kunst des
Körpers zu studieren!" Étienne Decroux